Montag, 9. Juli 2012

Bei Fuß, Sassy.

Nach vielen Tagen des angestrengten Nachdenkens und langen Nächten des schnarchenden Schlafens habe ich es endlich wieder an meinen Computer geschafft und erbarme mich, endlich wieder etwas an meine Außenwelt preis zu geben. Also werde ich nun, überarbeitet und verdammt müde wie ich bin, einen weiteren Blogeintrag hinter mich bri ... ich meine ... für euch posten. Und das mit größtmöglicher Freude und Glückseligkeit.
Vielleicht sollte ich mir ein Shirt kaufen auf dem fett: 'Ja, ich bin glücklich' draufsteht, damit man mich nicht mehr danach fragen kann. Diese Frage nervt irgendwie in letzter Zeit. Aber wem erzähle ich das ... niemandem vermutlich ...
Jetzt aber zu dem einzig wesentlichem Thema in meinem Leben: Arbeit.
...
...
...
Ich habe das Gefühl, dass ich den Satz wieder weglöschen soll. Der ist mehr als nur gelogen. Weiß aber keiner. Naja, jetzt schon.
Lassen wir das, ich bringe mich schon wieder selber zum Schwätzen! Eine Fähigkeit die mehr als nur unnötig und oft auch mehr als nur nervig ist. Aber bevor ich wieder die Möglichkeit zum Abschweifen bekommen kann, werde ich einfach mal über, anstatt um den heißen Brei reden:

Wie in meinem letzten, eigentlich ziemlich unspektakulärem Post bekannt gegeben wurde (klingt fast wie in der Zeitschrift eines arroganten Typens, der sich selber für das wichtigste hält ... nicht gut ... ), habe ich die Ehre, eine neue Praktikantin am Empfang einzuschulen. Normalerweise wird man als Praktikant immer höflich und unglaublich freundlich behandelt. Tja, ich bin aber kein netter und höflicher Kerl, der einem nur die schönen Farben des Lebens zeigt. Ich weiß, wie die Leute ticken, wenn sie hierher kommen und sie sind meistens (eigentlich immer) unfreundlich und schlecht gelaunt.
Also: Die Praktikantin kam um halb zehn. Eine halbe Stunde zu spät. War es denn so schwer, ein großes blaues Haus zu finden, dass eher an einen alten Bauklotz aus dem Kindergarten als an ein architektonisches Gebilde erinnerte? Anscheinend. Das Mädel kam einfach bei der Tür herein und sah sich erst einmal um. Der Raum war aber anscheinend nicht sonderlich interessant, weswegen sie ihr Handy zückte und kurz darauf sah. Einen Moment später war es auch wieder in der Tasche verschwunden.
Ich, pflichtbewusst wie ich nun einmal war, dachte natürlich, dass sie eine der unzähligen, schlecht gelaunten Teilnehmerinnen war, die zwangsweise hierherkommen mussten. Also kam auch gleich die typische Empfangsbegrüßung von mir.
"Kann ich etwas für Sie tun?", sie sah mich kurz an, mit einem Blick der mir zu sagen schien, "Wow! Da ist ein Mensch." Ich hätte fast gelacht. Das Mädchen kam zum Empfang, ein Schreibtisch, dessen Front etwas höher lag als der Rest, damit man nicht einfach darüber hinwegsehen konnte, und streckte mir die Hand entgegen. Das war schon einmal seltsam, zumindest für einen der Bewerber. (Ich dachte ja immer noch, dass sie eigentlich arbeitslos war.) Außerdem hatte sie sogar ein Lächeln aufgesetzt, oder sie lächelte wirklich, war darin aber nicht sonderlich gut. Sagen wir es so: Ich mochte ihr Lächeln nicht. Nicht, weil es falsch oder schlecht aussah, einfach ein kleiner Ausdruck störte mich.
Ich nahm ihre Hand nicht entgegen.
"Kann ich irgendwie helfen?", wiederhole ich, während sie mir immer noch entgegen grinst. Jetzt erst rafft sie, dass ich ihre Hand nicht schütteln werde und zieht diese langsam zurück. Ich kam mir irgendwie schlecht vor. Verdammtes Gewissen, ich dachte ich hätte dich schon längst umgebracht! Muss ich mir wohl wieder auf einen Merkzettel schreiben:: 'Nicht vergessen: Gewissen töten.'
"Ich bin die Praktikantin? Ich sollte mich am Empfang melden?", warum fragte sie mich eigentlich, wenn dass doch beides Feststellungen sein sollten. Aber jetzt ging mir ein Licht im Oberstübchen auf. Ding-Dong. Fail des Tages für heute. Ich machte ein langgezogenes 'Ahh...!' und legte den Zettel, den ich gerade vom Drucker geholt hatte, auf den Tisch vor mir.
"Sassy, nicht?" (eine Anmerkung am Rande dieses elendigen und eigentlich uninteressanten Posts: Der Name kommt von ihr. Sie meinte, dass er so was tolles mädchenhaftes an sich hätte. Ich würde nicht einen Menschen, sondern einen Hund so nennen, aber bitte. Außerdem ist es, wie immer, nicht der echte Name. Wir wollen ja so etwas wie Privatsphäre waren, nicht?)
Nicken.
"Komm mal nach hinten, sonst stehst du den Teilnehmern noch im Weg. Warum bist du überhaupt zu spät, ich hab dich schon ausgetragen für heute.", ich ließ mich auf den, komplett intakten (wir erinnern uns an den Vorfall im letzten Post) Drehsessel fallen und rollte vor den nächsten Computer. Das Mädchen kam um den Empfangstisch und setzte sich dann auf den anderen freien Stuhl.
"Naja, zuerst wollte mich ja meine Mutter herführen, aber die hatte dann keine Zeit. Mein Dad ist ja gerade im Ausland und deswegen...", begann sie, doch dann öffnete sich die Tür erneut und ein untersetzter Kerl tappte zu uns herüber.
"Wie kann ich Ihnen helfen?", kam es von mir, noch bevor das Mädchen auch nur 'Hallo' sagen konnte. Der Typ hatte nur einen Termin bei einem unserer Berater, die verzweifelt versuchten Jobs zu vermitteln, wenn die Leute als Berufswünsche so etwas wie 'Cravtfara' haben. Übersetzt auf normales Deutsch wäre es dann 'Kraftfahrer', aber das nur nebenbei. Die Fragebögen, die wir den Leuten austeilen sind immer sehr hilfreich.
Kaum war der Typ verschwunden, bedeutete ich ihr, weiterzureden.
"Ich hab den Weg allein nicht gefunden. Und ... äh...Ich wohn eh nicht so weit weg, aber naja ... ich bin neu hergezogen und ..."
"Ding! Zeit um. Du redest zu viel, ohne was zu sagen. Die Leute hier wollen Antworten hören, die knapp und klar sind. Gewöhn dir das gleich an. Es gibt hier kein naja und äh... verstanden?", sie sah mich an, als ob ich sie gerade derbest geohrfeigt hätte. Wie alt war die eigentlich. Zwei Jahre jünger als ich? Höchstens. Und sie benahm sich wie eine Erstklässlerin am ersten Schultag.
"Wo wohnst du überhaupt?"
"Sonnenstrahlengasse 10 (Kitschig nicht wahr? ... existiert auch nicht). Das ist..."
"Was?!", ich sah sie an, als ob sie plötzlich mir eine Ohrfeige verpasst hätte. Ich wohnte nur eine Gasse weiter. Das war nicht gut. Aber, wie ihr mein Glück kennt, dampfte jetzt der General der Abteilung an.
Tapp. Tapp. Tapp.
Wir erinnern uns? Und was sie diesmal trug gefiel mir nicht mehr, als das was sie sonst so trug. Blau, hell und dunkel. Oder dunkel und hell. Aber alles dezent und nicht mit übermäßigen Mustern beladen. Gerade so, dass man sagen konnte es sah gut aus, ohne sich selbst dafür zu rügen.
"Du hast dich verlaufen? Obwohl du denselben Weg hast wie unser Regenbogenpony?", fragte sie und deutete auf mich, als ob ich ein Gegenstand wäre, der nur da war, weil man eben zu viel Platz hatte. Sassy (der Name ist immer noch ungewohnt in Verbindung mit einer menschlichen und nicht auf vier Beinen laufenden Person)zuckte mit den Schultern, sagte aber wieder nichts.
"Dann nimmst du sie morgen halt einfach mit. Ist ja nicht so schlimm. Dein komisches Gefährt kann doch sicher nicht nur dich Fliegengewicht tragen, oder?"
Fliegengewicht? Ich hatte ein Kampfgewicht, dass mit dem eines trockenen Handtuchs zu vergleichen war! Die sollte sich besser überlegen mit welchem Schwergewicht sie sich einließ!
Aber, anstatt das zu sagen nickte ich. Doch dieses Nicken verwandelte sich im selben Moment in ein Kopfschütteln, aufstehen und Arme vor der Brust verkreuzen.
"Nein! Sicher nicht. Ich habe dieses ... Gefährt nicht gekauft und behütet wie meinen Schatz, nur damit ich dann unfähige Stotterer durch die Gegend fahren kann! Ich..!"
"Schu! Bist du still. Das war keine Frage. Du holst sie morgen ab und fertig. Um Acht, morgen und wehe du bist unpünktlich, Pony." Ich hätte ihr nur zu gerne meinen Kugelschreiber hinterher geworfen, aber ich hatte das schlechte Gefühl, dass sie ihn zurückwerfen und bei meinem Glück wahrscheinlich mein Auge treffen würde. Also ließ ich den Stift Stift sein und ließ mich wieder seufzend in den Sessel sinken.
"Was kann ich jetzt machen?", fragte Sassy nach einer Weile, in der ich ein paar Akten auf dem Bildschirm meines Computers verschoben hatte.
"Du... du kannst ...", ich sah mich um, "Bring mir mal den Ordner dort..."
Das war wohl das einzig produktive, was sie an diesem Tag machte. Ich freute mich schon riesig auf meine Beförderung zum Chauffeur. Mein Lebenswunsch ging in Erfüllung!
Nun nicht ganz, denn dafür hätte ich wohl das Glück gehabt, dass ein Irrer mit Kettensäge meine Chefin zerstückelt und ihren Kaffee, wenn sie denn einen trinken würde, trinken würde. Oder das sie an dem Wort 'Regenbogenpony' erstickte.
Ich frage mich, woher sie das überhaupt kannte ...

Noise Ende.

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